Lullaillaco & Ojos del Salado 31

Skitourenreise nach Usbekistan

Mit Skis auf der Seidenstrasse

Bericht von Christian, 25.02.2026

Skitouren in Usbekistan? Die ungläubigen Blicke meiner Kollegen sprechen Bände. Trotzdem: Am 12. Februar 2026 trifft sich unser Team von Tourenfreaks mit vollgepackten Rucksäcken am Flughafen Zürich. Mit dabei: die Oldies Adrian, Alexander, Christoph, Heinz, Thomas und Urs. Ich selbst als Rookie. Und natürlich Ruedi, unser bewährter Guide. Gespannt lauschen wir seinem Briefing und träumen schon von epischen Tiefschneetagen.

Nun, es sollte etwas anders kommen – aber der Reihe nach.

Tashkent, here we come!

In Istanbul stossen die letzten beiden Gruppenmitglieder zu uns, Isabella und Peter aus München. Spät nachts landen wir schliesslich in der Hauptstadt Tashkent, wo uns unser lokaler Bergführer Alexej in Empfang nimmt. Es ist warm. Und regnerisch. Champagne Powder? Die Hoffnung stirbt zuletzt – schliesslich liegen die Berge des Chimgan ja noch weiter im Nordosten. Allerdings bestätigen auch die Einheimischen: es ist ungewöhnlich warm für Februar.

Erstmal Stadtluft schnuppern. Die Strassen von Tashkent sind nicht unbedingt mit den Berner Lauben zu vergleichen – es ist eher ein spannender Mix zwischen sowjetischer Brutalarchitektur, modernen islamischen Prachtbauten und einer Prise Dubai im Zentrum. Alles will gross und imposant sein. Am meisten beeindruckt uns das Gewusel des riesigen Basars mit seinen opulenten Marktständen, den Händlern und den Schaslick-Grills, die den kulinarischen Akzent für die nächsten Tage setzen – Vegetarier haben's schwer hier. Aber alles ist sauber, die Menschen sind freundlich und sie pflegen einen sehr pragmatischen Islam.

"Geschlossene Schneedecke" – Definitionssache

Mit dem Bus geht's nordostwärts in die Berge von Chimgan. Ja, Schnee hat's, aber es wird viel diskutiert in der Gruppe, wie denn eigentlich eine „geschlossene Schneedecke" zu definieren sei. Ein kurzer erster Abstecher ins Skigebiet zeigt die Gegensätze des usbekischen Wintersports: Hier die topmoderne Skistation Amirsoy mit Bahnen wie in Grindelwald und einem Chaletdorf wie in Aspen. Weiter unten im Tal der Schnee-Volksrummelplatz: Karussells, Rutschreifen, Sowjet-Schneetöffs und obligaten Schaslick-Grills – alles, was es für einen usbekischen Familienausflug in die Berge braucht. Um unser Hotel herum gibt es viele Bauruinen, die zeigen, dass der Tourismus noch nicht auf breiter Front angekommen ist. Aber ein französisch-usbekisches Konsortium will hier in den nächsten Jahren 100 Millionen verbauen.

Am nächsten Tag geht's endlich los auf die erste richtige Tour bei überraschend schönem Wetter. Wir steigen Richtung Chimgan-Gipfel bis auf eine Höhe von etwa 2.800 Metern auf und hier oben sind die Schneeverhältnisse richtig gut. Mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht blicken wir in die beeindruckenden Weiten Usbekistans. Eine zweite Tourengruppe ist auch unterwegs … encore des Suisses! Den Pulver oben geniessen wir in vollen Zügen. Durch den Nassschnee weiter unten muss man halt durch.

Warm, wärmer und noch nasser

Leider kündigt sich noch wärmeres Wetter an, und da es zu allem Überfluss auch noch regnet, wird unser zweiter Skitag kurz und gemütlich. Wir testen die Pisten der topmodernen Skistation Amirsoy. Am nächsten Tag ist das Wetter besser und wir entscheiden uns für einen weiteren Freeride-Tag im Skigebiet, garniert mit Heinz' Gummibärli, einem lokalen Bier oder auch einer kräftigen Massage im hoteleigenen Spa.

Beim Nachtessen müssen wir dann gemeinsam den Tatsachen ins Auge sehen: Die Temperaturen werden kaum sinken und auch nachts gefriert es nicht mehr. Die Schneedecke ist nicht nur dünn, sondern auch durchgefeuchtet. Touren werden jetzt nicht nur unschön, sondern auch heikel, und es gibt keine Aussicht auf Besserung. Nach kurzer Diskussion beschliessen wir, die Zelte in den Bergen abzubrechen. Gemäss Alexejs Vorschlag schalten wir auf Kulturprogramm um und werden neben Samarkand auch die Oasenstadt Buchara besuchen. Das ist natürlich eine Enttäuschung, zumal gleichzeitig in den Alpen offenbar Schnee ohne Ende fällt. Schlechte Stimmung kommt dennoch nicht auf – alle verstehen die Situation.

Vom Schnee in die Wüste

Mit dem topmodernen Talgo-Zug fahren wir von Taschkent nach Buchara. Bei der fünfstündigen Fahrt durch die flachen Steppen im Süden und Westen Usbekistans wird einem die Grösse des Landes erst richtig bewusst. Die Oasenstadt Buchara empfängt uns mit frühlingshaften Temperaturen. Etwas deplatziert und verloren wirken wir schon mit unseren Skitaschen, und auch der Lawinenairbag will nicht so recht zur Szenerie passen.

Mit einem ortskundigen Führer besuchen wir die Moscheen, Medresen und Mausoleen, und wir sind beeindruckt von der jahrhundertealten Architektur und reichen islamischen Handwerkskunst. Besonders in der Nacht ist der Platz von Poi Kalon mit dem wuchtigen, reich verzierten Kalon-Minarett ein eindrucksvolles Erlebnis. Und der Sommerpalast des letzten Emirs, der die damals anbrechende Neuzeit erahnen lässt, ist ein weiteres Kulturhighlight unserer Reise.

Facettenreiche Geschichte

Unsere letzte Station ist Samarkand, eine der ältesten Städte Zentralasiens und einstiger Sitz des usbekischen Nationalhelden Timur, der die Horden des Dschingis Khan zurückdrängte und Zentralasien unter sich vereinigte. Eindrucksvoll sind die Mausoleen der Timur-Dynastie mit ihren reich verzierten Portalen und Kuppeln aus Keramik und Gold. Wir besuchen das Observatorium seines Enkels Ulug Beg, der sein Leben der Astronomie und der Wissenschaft widmete. Als Westeuropäer ist man sprachlos, welches Wissen es so früh in diesem Teil der Welt schon gab. Die Hauptattraktion in Samarkand aber ist zweifellos der Registan-Square. Beim Nachtessen blicken wir auf die reich mit Keramik verzierten Medresen, die blau und türkis im Abendlicht schimmern.

Eine denkwürdige Reise

Beim letzten Nachtessen lassen wir eine denkwürdige Reise Revue passieren. Auch wenn sich Ruedi von uns Schneehasen den einen oder anderen Spruch anhören muss – es war eine eindrückliche und vielfältige Reise. Statt Powder gab es jede Menge Kultur und Geschichte, statt Touren Steppe und Kamele, statt Gipfel drei grossartige Städte, von denen wir vorher kaum gehört hatten. Und dank der Top-Organisation von kp mountaineering guides nimmt jeder von uns unzählige Erlebnisse mit nach Hause. Mit oder ohne Skier: Usbekistan ist definitiv eine Reise wert!