Lullaillaco & Ojos del Salado 31

Skitourenreise in den Kosovo

Winterabenteuer im unbekannten Balkan

Bericht von Tommy , 05.03.2026

Skitouren im Kosovo? Ja, sicher!

Was für viele zunächst exotisch klingt, entpuppte sich für unsere Gruppe als eindrückliches Wintererlebnis. Nach der Peaks-of-the-Balkans-Wanderung, die Andi und ich im Sommer 2025 unternommen hatten, war unsere Neugier geweckt. Dieses wenig bekannte Bergland wollten wir unbedingt auch im Winter entdecken.

Anreise und erster Eindruck

Andi und ich reisten bereits am Vorabend nach Pristina, um die frühe Sonntagsanreise zu vermeiden. Am Morgen wurden wir von unseren Mitreisenden Bettina, Sandra, Carla, Madlen und Oliver sowie unserem Tourenleiter Niklaus, unterstützt vom lokalen Guide Alb, im Hotel abgeholt. Gemeinsam starteten wir in unser Skitourenabenteuer im Westen des Landes. Auf dem Weg zu unserem ersten Tourenstützpunkt in Drelaj legten wir eine kurze Stippvisite in Pristina ein, bevor die Fahrt weiter nach Peja führte. In der viertgrössten Stadt des Kosovo stärkten wir uns bei einem verspäteten Mittagessen. Dabei durfte das lokal gebraute und bekannte Peja-Bier natürlich nicht fehlen und wurde von uns als ausgezeichnet beurteilt. Anschliessend besuchten wir das zum UNESCO-Welterbe gehörende Patriarchenkloster Peć. Bis zu diesem Zeitpunkt begleitete uns überwiegend Regen und der Schnee zeigte sich nur bei kurzen Aufhellungen hoch oben in den Bergen. Danach führte die holprige Strasse in die eindrückliche Rugova-Schlucht, eine rund 25 Kilometer lange, tief eingeschnittene Gebirgsschlucht und eine der bedeutendsten Naturattraktionen des Kosovo. Wenig später erreichten wir Drelaj, unser Basis für die kommenden zwei Tage. Dort wurden wir herzlich von unseren Gastgebern empfangen. In den Zimmern knisterten bereits die eingeheizten Cheminéeöfen, sodass wir uns in aller Ruhe einrichten konnten. Der Anreisetag klang schliesslich bei einem ersten feinen Abendessen in gemütlicher Atmosphäre aus und die Vorfreude auf die kommenden Skitouren wuchs.

Noname Peak (2424 m) am Jelenka-Pass - Pulver und Panorama

In der Nacht hatte es geschneit, und die Landschaft präsentierte sich am Morgen leicht verzuckert. Die Anfahrt mit den Autos zum Ausgangspunkt war schwierig, rund 10–15 cm Neuschnee lagen auf den umgepflügten Strassen. Ausgangspunkt der Tour war Leqinat. Von dort stiegen wir zunächst zum gleichnamigen See auf und weiter durch ein weites Hochtal in Richtung Jelenka-Pass. Über den sonnigen Gipfelhang erreichten wir schliesslich den flachen, aussichtsreichen Gipfel des Noname Peak (2424 m). Der Aufstieg bei sonnigem Wetter war ein wahrer Genuss. Oben wurden wir mit einer grossartigen Rundsichtbelohnt. Die Berge der Nachbarländer Albanien und Montenegro lagen zum Greifen nah und unterstrichen die besondere Lage dieses Grenzgebiets im westlichen Kosovo. Bei der Abfahrt gab es «First Line» für alle durch den kosovarischen Pulverschnee bis zum Ausgangspunkt, was will man mehr?

Flexible Tourplanung ohne Hajla (2403 m) - Transfer nach Brod (Dragash)

In der Nacht hatte es bis in den Talboden hinab geschneit. Entsprechend waren die Zufahrtsstrassen auf die Alpen nur eingeschränkt befahrbar. Nebel und starker Wind begleiteten uns zusätzlich, als wir den Aufstieg in Angriff nahmen. Nach rund zwei Stunden entschieden wir uns zum Abbruch. Der

höchste Gipfel dieses Gebirgszugs im westlichen Kosovo blieb an diesem Tag nur schemenhaft im Nebel zu erahnen Immerhin entschädigte uns eine kurze, aber überraschend abwechslungsreiche Abfahrt durch lichte Wälder und war der kleine, aber feine Höhepunkt des Tages. Anschliessend hiess es Abschied nehmen von der Region Peja. In einer rund zwei- bis dreistündigen Fahrt querten wir den Süden des Landes nach Brod in der Gemeinde Dragash. Dort bezogen wir unser neues Quartier in einem kleinen Wintersportgebiet im abgelegenen Šar-Gebirge nahe der Grenzen zu Nordmazedonien und Albanien.

Noname Peak (2313 m) – Skitourenspiel im Šar-Gebirge

Nach einem erneut ausgiebigen Morgenessen begann unser Tourentag ungewohnt mit einer Fahrt im altehrwürdigen Sessellift des kleinen Skigebiets. Zum Betriebsstart stellte sich allerdings heraus, dass die Anlage zunächst enteist und kontrolliert werden musste, bevor sie in Betrieb gehen konnte, was unseren Start deutlich verzögerte. Eine interessante Randnotiz, die Pistenfahrzeuge und Liftanlagen stammen ursprünglich aus dem Gebiet Lungern–Schönbüel in Obwalden. Von der Bergstation aus stiegen wir bei freundlichem Wetter, jedoch begleitet von kräftigem Wind, weiter auf. Schon bald wurden wir mit einer ersten lohnenden Abfahrt belohnt. Unten im Hochtal angekommen, montierten wir erneut die Felle und nahmen den nächsten Noname Gipfel ins Visier. Dieses Spiel mit dem Gelände hätten wir problemlos noch länger fortsetzen können. Doch die morgendliche Verzögerung Zwang uns zur Umkehr. Herrliche Abfahrten, Niemandsland, sanfte Formen und endlose weisse Weiten haben uns heute glücklich gemacht.

Bardalevë (2334 m) – Grenzgipfel und Wechsel nach Prevallë

Die weiten, unberührten Hänge, die wir am Vortag erblickt hatten, weckten bei Chlöusu echte Expeditionsgefühle. So beschlossen wir spontan, einen Grenzgipfel zwischen Kosovo und Nordmazedonien zu besteigen. Ein Ziel, das ursprünglich nicht im Tourenprogramm vorgesehen war und für uns alle Neuland bedeutete. Der Einstieg begann ungewohnt. Rund eine halbe Stunde stiegen wir zu Fuss über steile, schneefreie Wiesen auf, bevor wir endlich die Ski anschnallen konnten. Zunächst waren die Schneeverhältnisse noch spärlich, doch mit zunehmender Höhe wurden sie rasch besser und unser Mut wurde mehrfach belohnt. Der Aufstieg über sanfte Alpen und durch ein langes Hochtal entwickelte sich zu einem magischen Erlebnis. Am Gipfel, markiert durch einen Grenzstein, öffnete sich eine grandiose Aussicht weit nach Nordmazedonien hinein. Die Abfahrt im feinen Sulzschnee geriet zum Höhepunkt des Tages. Genussreich, mit einem freien und weiten Gefühl, Ein unvergesslicher Moment, der uns laut jubeln liess. Nach einer kurzen Stärkung im Hotel brachen wir zum letzten Etappenort unserer Reise auf. Ziel war Prevallë, wo wir unsere wohl komfortabelste Unterkunft der Woche bezogen. Jacuzzi, Sauna, Hamam sowie Spiel- und Fitnessraum boten ungewohnten Luxus. Eine kleine kulturelle Besonderheit prägte den Aufenthalt zusätzlich. Mit Beginn des Ramadans wurde im Hotel kein Alkohol mehr ausgeschenkt, so dass wir hier auf den zuvor geschätzten kosovarischen Wein und das lokale Bier verzichten mussten.

Konjushka (2571 m) – Durchhalten wird belohnt

Für unser heutiges Ziel starteten wir direkt von der Passhöhe Prevallë aus. Das Wetter zeigte sich zunächst von seiner rauen Seite. Schneefall, starker Wind und schlechte Sicht begleiteten uns bis auf den Gipfel. Drei Hunde aus dem Dorf schlossen sich uns gleich zu Beginn an. Offenbar gefiel ihnen unsere Unternehmung so gut, dass sie uns während über fünf Stunden im Aufstieg und beim Abstieg treu begleiteten. Mehrfach gab es auf dieser langen, windgepeitschten Route Momente, in denen ein Umkehren naheliegend gewesen wäre. Doch wir bissen uns durch und wurden einmal mehr für unsere Ausdauer belohnt. Kaum hatten wir den Gipfel der Konjushka erreicht, rissen die Wolken auf und für die nächsten Stunden gehörten uns Sonnenschein, frischer Pulverschnee und unberührte Hänge im weiten Niemandsland des Šar-Gebirges. Die Abfahrt geriet zu einem weiteren Höhepunkt der Reise. Endlose Schwünge im feinen Pulver und eine «First Line» nach der anderen, Skitourenglück pur.

Zurück in der Unterkunft wurden die müden Knochen im Jacuzzi und Hamam gelockert, bevor uns ein weiteres feines Abendessen (ohne Alkohol 😉) erwartete.

Black Rock Peak (2536 m) – Nebel statt Gipfelglück

Am letzten Skitag stand der Black Rock Peak auf unserem Programm. Dafür fuhren wir nach Brezovica, dem grössten Skigebiet des Kosovo. Die Anlagen wurden bereits 1954 erbaut und sind mittlerweile sichtbar in die Jahre gekommen. Der Start an der Bergstation des Sessellifts liess wenig Gutes erahnen. Dichter Nebel und nasser Schneefall bestimmten die Szenerie. Dennoch stiegen wir entschlossen bis auf den Grat auf, in der Hoffnung, über die Nebeldecke zu gelangen. Leider erfüllte sich dieser Wunsch nicht, und so mussten wir schweren Herzens umkehren. Auch wenn uns der Gipfel verwehrt blieb, gehörte diese Entscheidung zur Realität des Skitourens und unterstrich einmal mehr die Bedeutung von Geduld und Sicherheitsbewusstsein im unbekannten Gelände.Unsere letzte Station im Kosovo war Prizren, die zweitgrösste Stadt des Landes und kulturelles Zentrum im Süden. Vor dem Abendessen blieb genügend Zeit, durch die liebevoll restaurierte Altstadt zu schlendern und das lebendige Ambiente zu geniessen. Am Abend führte uns unser lokaler Guide Alb in ein traditionelles kosovarisches Restaurant. Das vielseitige, reichhaltige Essen erwies sich als kulinarischer Höhepunkt der Reise. Der anschliessende Besuch in einer Confiserie mit scheinbar endloser Auswahl an Süssigkeiten stellte unsere bereits gut gefüllten Bäuche zwar vor eine kleine Herausforderung, doch wie gewohnt meisterten wir auch diese Disziplin mit Bravour.

Heimreise

Ohne Frühstück, dafür mit Lunchpaket ausgestattet, fuhren wir am frühen Morgen zum Flughafen von Pristina und traten unseren Heimflug an. Ein grosses Merci an alle für diese erlebnisreiche Woche voller Entdeckungen, guten Gesprächen und unvergesslicher Momente im winterlichen Kosovo.