Lullaillaco & Ojos del Salado 31

Hochtour Monte Rosa - Spaghetti Tour

20.08.2026

Montag, 10.08.2026

Wir treffen unseren Bergführer Bruno um 8:20 Uhr in Zermatt. Iwan und ich sind bereits am Vortag angereist. Philipp ist bereits seit Samstag im Wallis und hat noch ein paar Höhenmeter gesammelt. Philipp, Iwan und ich wohnen alle drei in Zürich und Umgebung und freuen uns die Stadthitze gegen Gletscher und kühle Bergluft zu tauschen. Auf Anhieb verstehen wir uns sehr gut. Auf dem Weg zur Kleinmatterhornbahn kaufen wir noch eine Eisschraube, wir hätten zwar alle eine zuhause, wollten jedoch Gewicht sparen. Bruno hat drei dabei, wäre aber happy, wenn jeder eine hat. Gesagt, getan. Mit einer Eisschraube pro Teilnehmer ausgerüstet, geht es mit der Gondel 40min hoch ins Gletscherparadies, zusammen mit vielen im Gegensatz zu uns, eher leicht bekleideten Touristen. Kurz nach 10:00 Uhr gehts los, begleitet von Sonnenschein und einem mega Rundumblick machen wir uns über das Breithornplateau auf den Weg aufs Breithorn. Bruno zeigt uns noch eine effiziente und sehr wadenschonende Gangart mit den Steigeisen im Steilhang. Kurz vor Mittag macht sich eine schwarze Wand auf uns zukommend bemerkbar. Wir erreichen den Gipfel, ohne Rundumsicht, dafür mit umso mehr Wind. Schnell machen wir uns auf den Abstieg ins Rifugio Guide della Val d’Ayas (3394 m). Der Gletscher hat sehr viele Spalten, weshalb wir einige Höhenmeter mehr als geplant absolvieren müssen, um die Spalten so gut wie möglich zu umgehen. Mental fordert uns der Abstieg und die immer mehr schwindenden Gletscher stimmen uns auch ein wenig traurig. Belohnt werden wir mit einer Aussicht ins Aostatal. Bruno führt uns bestens ans Ziel, nach 6 Stunden, 650hm rauf und 1075hm runter haben wir es geschafft. Wir sichern uns zu dritt eine Ablage für die Hardware (für Schweizer Verhältnisse geht es eher chaotisch zu und her), beziehen unsere Betten, trinken ein Bier und machen noch ein kurzes Nickerchen vor dem Abendessen. Pasta (what else?!) zur Vorspeise, Fleisch und Gemüse zum Hauptgang und eine Schokocreme zum Nachtisch. Top! Auch ein Espresso darf natürlich nicht fehlen. Bei uns am Tisch sitzen noch drei andere Schweizer plus ein Bergführer und wir verstehen uns sehr gut. Vor dem zu Bett gehen teilt uns Bruno die freudige Nachricht mit, dass wir den Castor am nächsten Tag in Angriff nehmen können. Wir haben nicht damit gerechnet, da der Grat sehr eisig war. Es hat jedoch zwei Tage zuvor kurz geschneit, was uns eine Besteigung ermöglicht.  Um 21:00 Uhr liegen wir im Bett und freuen uns auf den kommenden Tag.

Dienstag, 11.08.2026

Um 03:00 Uhr ist tagwach für uns, wir sind die Ersten :-) das Frühstücksbuffet schaut aus wie in einem guten Hotel. Leider noch ein bisschen zu früh für uns, um voll zuzuschlagen. Punkt 04:00 Uhr begleitet von einem wunderschönen Sternenhimmel machen wir uns auf den Weg. Nach knapp zwei Stunden haben wir den spaltenreichen Gletscher bewältigt und werden beim Zwillingsjoch am Fusse des Castors mit einem Sonnenaufgang belohnt. Stöcke tauschen wir gegen Pickel und los gehts die steile Westwand des Castors hoch. Nach der Querung eines schmalen Firngrates stehen wir um 7:30 Uhr auf dem Castor. Ein wahnsinniger Rundumblick! Der Abstieg folgt über den Gletscher zur Capanna Quintino Sella (3585 m). Nach 918hm rauf und 700hm runter erreichen wir um 09:30 Uhr die Hütte.

Unsere Bergschuhe lassen wir in der Sonne trocknen und genehmigen uns einen Cappucino. Mit der Kommunikation liefs nicht ganz rund und das Hüttenteam wollte uns keine Betten geben bevor die Bezahlung für die Übernachtung eingetroffen ist. Jutta vom Backoffice bei KP mountaineering guides hat es dann geschafft und schliesslich wurden wir mit einem 4er Zimmer für uns drei belohnt. Sogar mit Steckdose! Gemäss Bruno ein ehemaliges Bergführerzimmer. Wir sind wieder versöhnt mit der Hütte ;-)  Philipp ruht sich aus, Iwan und ich genehmigen uns eine Apéroplatte mit Käse und Fleisch. Noch eine kurze Katzenwäsche, sprich Wasser ins Gesicht und Deo unter die Achseln, und um 12:00 Uhr legen wir uns auch hin. Kuchen und Espresso locken uns am Nachmittag nach unten. Die Sonne ist verschwunden, es hagelt und regnet. Später stossen wir - zusammen mit der Gruppe von gestern - auf die erfolgreiche Besteigung des Castors an. Nochmals kurz hinlegen und um 19:00 Uhr gibts Tuna Pasta, Roastbeef und Kartoffeln und Peach Melba. Das Essen ist top!

Mittwoch, 12.08.2026 

Heute können wir ausschlafen, Tagwache ist um 04:30 Uhr. Also Tagwache war früher, da alle anderen bereits ab 4 Uhr unterwegs Richtung Frühstück unterwegs waren und wortwörtlich die Hölle los war. Bis wir ankamen war alles bereits halb leergefegt, wir sind aber froh, gehen wir erst um 05:30 Uhr los, es ist ein Riesengedränge im Schuhraum. 

Das gestrige Nachmittagsgewitter hat eine Zuckerschicht gegeben. Schönes weisses Pulver. Es ist noch kalt und windig. Wir erklimmen die „Eiswand“ und sind froh um unsere vier Eisschrauben. Bruno macht zwei Stände mit jeweils zwei Eisschrauben.  Wir erreichen über die Südseite des Liskamms die Westflanke des Naso und bestaunen einmal mehr die Rundumsicht. Ohne Steigeisen kraxeln wir auf die Fläche und machen kurz Pause. Weiter gehts runter zum Gletscher. Von allen Seiten hört und sieht man ständig Steine runterfallen oder Gletscherteile abbrechen. Die Hitze ist enorm und wir spüren sie mit voller Wucht während wir über den Gletscher wandern. Das Balmenhorn mit der Christusstatue erreichen wir durch eine kurze Kletterei, auf dem Gipfel sind wir alleine. Beim Übergang vom Balmenhorn zur Vincentpyramide versinke ich noch bis Bauchhöhe in einer Gletscherspalte, die Jungs ziehen mich jedoch unversehrt raus. Wir erreichen zum Tagesabschluss den Gipfel der Vincentpyramide und nehmen noch die letzten Höhenmeter runter zur Capanna Giovanni Gnifetti (3647 m) in Angriff. Nach fast 10 Stunden unterwegs sind wir fix und foxy. Die Gnifetti ist eine Riesenhütte mit fast 180 Schlafplätzen. Alles sehr chaotisch. Unser Material verstauen wir im Rucksack im Zimmer. Gemäss Bruno kommt hier leider immer wieder Ausrüstung abhanden. Wir beziehen ein Sechserzimmer, die beiden Jungs nehmen die unteren Betten, ich das ganz oben (Höhenangst darf man nicht haben). Wir trinken Bier und Wasser und legen uns noch kurz hin. Da lernen wir auch unsere Zimmergenossen, drei Jungs aus Polen kennen. Sie sind drei Nächte hier, wir sind froh, können wir morgen weiterziehen.  Abendessen ist top! Suppe, Pasta und Tischgrill. Noch ein Panna Cotta zum Schluss und ab ins Bett.  Die Aussicht von den Toiletten ist übrigens sehr spektakulär, direkt auf den Gletscher. Die Toilette selbst ist dafür umso weniger toll - Plumsklo, was sonst. 

Um 21:00 Uhr sind wir bereits am Schlafen.

Donnerstag, 13.08.2026

04:00 Uhr klingelt der Wecker. Ich habe 7 Stunden fast durchgeschlafen, nicht mal unsere polnischen Zimmergenossen um 03:00 Uhr gehört bei ihrem Aufbruch. Daher top fit! Es folgt das übliche Morgenritual mit Haferflocken und Kaffee und um 05:00 Uhr gehts los. Ein wunderschöner Morgen, zuerst Sternenhimmel und dann zeigt sich die Sonne. Wir wandern den spaltenreichen Gletscher hoch. Am Fuss des Corno Nero klettert Bruno die steile Gipfelflanke vor und sichert uns von oben. Zuerst geht Philipp hoch, wird wieder abgeseilt und dann folgen Iwan und ich zusammen. Den Corno Nero haben wir somit auch erfolgreich bestiegen.  Weiter geht es mit einer Gletscherwanderung Richtung Lisjoch und hoch auf die Ludwigshöhe. Auf einem Grat traversieren wir die Parrotspitze. Erst mal eine Pause auf dem Gipfel und die Bergwelt geniessen und bestaunen. Nach einem kurzen steilen Abstieg in die Senke folgt der Aufstieg auf die Signalkuppe und wir sind bereits um halb Zwölf auf der Cappana Regina Margherita, die mit auf 4554müM höchstgelegene Hütte der Alpen. Zimmerbezug, wir sind happy und können uns als erste alle drei Betten unten für uns sichern. Zum Zmittag gibts natürlich eine Pizza Margherita und ein Bier. Super! Noch ein bisschen Quatschen und dann eine Stunde nappen. Am Nachmittag nehmen wir noch an einer Studie über Höhenkrankheit teil, die ein Niederländer durchführt. Unsere Werte - Sauerstoffsättigung und Puls - liegen im grünen Bereich. Es donnert und brodelt unter uns, wir sind auf über 4500müM über der Gewitterzelle, was ziemlich eindrücklich ist. Die anderen drei Schweizer treffen wir auch wieder an und sind am gleichen Tisch eingeteilt. Es gibt Pasta, Roastbeef, Kartoffeln und frische Melone - ein Gourmetmenü über den Wolken. Zu Dritt teilen wir uns zur Feier des Tages den Hausrotwein. Zum Tagesabschluss werden wir mit einem fantastischen Sonnenuntergang belohnt - der Himmel brennt! Ich lasse noch die Schweizer Nationalhymne über Spotify laufen und für mehrere Minuten herrscht totale Stille und alle geniessen den Moment.

Freitag, 14.08.2026

Happy Birthday Philipp! Tagwache ist (unfreiwillig) um 04:00 Uhr. Wir können nicht mehr länger schlafen oder dösen und sind bereit für den letzten Tag. Frühstück. Bruno organisiert noch ein Geburtstagstörtchen für Philipp und um 05:00 Uhr gehts bei klarem Sternenhimmel los. In der Nacht hat es geschneit. Die Temperatur liegt bei ca. Null Grad, es ist windstill und somit richtig angenehm. Bereits vor 06:00 Uhr stehen wir als Erste auf der Zumsteinspitze, ein wunderschönes Morgenrot und freie Sicht auf alle umliegenden 4000er. Glücklich nehmen wir den Abstieg über den Gletscher und dann über eine Felswand nach Punta Indren in Angriff. Der geplante Abstieg über die Monte-Rosa-Hütte nach Zermatt ist wegen hoher Steinschlaggefahr nicht möglich. Wir nehmen die Gondeln bis nach Alagna, wo wir bereits vor 10:00 Uhr Espresso und Gebäck gniessen. Auch die andere Gruppe trifft ein und ein Taxi bringt uns nach Domodossala, wo wir auf die Bahn umsteigen. Wir freuen uns nun auf eine Dusche und frische Kleider :-) Wir haben die Traversierung des Monte-Rosa-Massivs erfolgreich abgeschlossen und sind happy um eine top Bergerfahrung mehr. Danke Bruno, dass du uns sicher auf alle Gipfel geführt hast.