Lullaillaco & Ojos del Salado 31

Expedition Mount Vinson

2025

Bericht von Marco, 19.12.2025

Am Mittwoch, 3. Dezember 2025, ging es endlich los! Nach unzähligen schweisstreibenden Stunden – unter anderem auf dem Laufband und im Kraftraum – bin ich von Zürich via Bogotá und Santiago de Chile nach Punta Arenas geflogen, wo ich am Folgetag ankam.

Unser Bergführer Niklaus Stalder, Teilhaber von K&P, holte mich mit dem Mietauto am Flughafen ab und brachte mich ins Hotel in der Innenstadt. Im Verlauf des Tages traf ich Frank, Daniel und Roland – wir waren alle auf unterschiedlichen Flügen unterwegs gewesen. Kennengelernt hatten wir uns bereits einige Zeit zuvor beim Materialeinkauf in der Expeditionsabteilung von Bächli Bergsport Bern sowie beim anschliessenden Abendessen.

Niklaus war bereits einige Tage früher angereist, um vor Ort die letzten Vorbereitungen zu treffen und Lebensmittel für die Expedition einzukaufen. Gemeinsam mit ihm gingen einige Teilnehmer nochmals in den Supermarkt sowie in diverse Bergsportläden, um zusätzliche Snacks, Riegel und fehlende Ausrüstung zu besorgen, die Niklaus beim Materialcheck festgestellt hatte.

Meine Ausrüstung wurde zusätzlich von einem Mitarbeiter von ALE (Antarctic Logistics & Expeditions) überprüft, da ich neben der Mt.-Vinson-Tour auch für den Teil „Last Degree“ zum Südpol angemeldet war, der anschliessend von ALE durchgeführt wird. Im ALE-Office erhielt ich spezielle 3-Pin-Skitourenschuhe, die zu den von ALE im Union Glacier Camp zur Verfügung gestellten Skis passen. Herkömmliches Skitourenequipment aus den Alpen ist für Antarktis-Expeditionen ungeeignet und wird daher vor Ort gestellt.

Am übernächsten Tag fand am Vormittag im ALE-Office das Flight Check-in inklusive Abgabe des Fluggepäcks statt, am Nachmittag folgte das ALE Flight Briefing. Wichtigster Punkt war, dass wir für den am Folgetag geplanten Flug erst um 07.00 Uhr ein verbindliches Feedback erhalten würden. Aufgrund der unsicheren Wetterverhältnisse und des Anflugs auf Sicht können Flüge in der Antarktis um Stunden oder gar Tage verschoben werden – die Entscheidung liegt allein beim Flugkapitän.

Zum Glück blieben wir davon verschont: Unser Flug startete, wenn auch mit einigen Stunden Verspätung, planmässig am 7. Dezember, dem dritten Tag nach unserer Ankunft.

Der rund vierstündige Flug erfolgte mit einer Boeing 757 von Icelandair, die während der Antarktis-Sommersaison in Punta Arenas stationiert ist. Etwa eine Stunde vor der Landung zogen wir unsere 8000er-Bergschuhe und Daunenkleidung an, nachdem die Kabinentemperatur abgesenkt worden war. Die Landung erfolgte auf der berühmten Blue Ice Runway, einem Blaueisfeld, das stabil genug ist, um selbst grosse Verkehrs- und schwere Iljuschin-Transportflugzeuge aufzunehmen.

Nach der Landung wurden wir mit hochgelegten Transportfahrzeugen mit XXL-Rädern in rund 20 Minuten ins Union Glacier Camp gebracht. Die Temperaturen lagen mit −4 °C ungewöhnlich hoch, und da die Fahrzeuge beheizt waren, mussten wir bereits erste Kleidungsschichten ausziehen.

Über das Union Glacier Camp hatte ich schon viel gelesen: hervorragendes Essen, warme Duschen, ein Shop, eine Bibliothek – und in den Zweier-Domzelten sogar Betten und Stehhöhe. Dank Starlink gibt es zudem kostenloses WLAN.

Unser Ziel war jedoch nicht, es uns gemütlich einzurichten. Wir wollten möglichst noch am selben Tag mit einer Twin Otter weiter ins Mt.-Vinson-Basecamp fliegen. Erneut hatten wir Glück: Gegen Abend verzogen sich die Wolken, und nach einem kurzen Abendessen hoben wir kurz vor 20.00 Uhr ab.

Der Flug entlang der verschneiten Gipfel der Ellsworth Mountains war spektakulär, ebenso die Landung auf der kurzen Schneepiste direkt neben dem Basecamp auf 2140 m.

Unmittelbar nach der Ankunft begannen wir mit dem raschen Aufbau der drei Schlafzelte und des Küchenzelts. Niklaus grub mit Schaufel und Säge im Küchenzelt perfekte Sitzbänke aus dem Schnee und begann sofort mit dem Schmelzen von Schnee. So konnten wir kurz vor Mitternacht noch gemeinsam etwas Warmes trinken, bevor wir in die Zelte und unsere Schlafsäcke krochen. Trotz 24 Stunden Tageslicht schlief ich nach diesem langen Tag ausgezeichnet.

Frank hingegen hatte eine schwierige Nacht und hustete viel. Er fühlte sich bereits am Vortag nicht ganz fit und hatte sich vermutlich schon auf der Anreise oder in Punta Arenas etwas eingefangen. Da im Basecamp ohnehin ein Ruhetag geplant war, kam ihm dies gelegen.

Den Ruhetag verbrachten wir mit Ausschlafen und dem Erkunden des kleinen Basecamps. Neben dem ALE-Esszelt, das den Rangern, Mitarbeitenden und Gästen vorbehalten ist, standen die Zelte der wenigen Expeditionsgruppen. Da freies Urinieren in der Natur verboten ist, befand sich etwas abseits ein mit einer gelben Flagge markiertes „Pee Hole“, daneben zwei durch Schneeblöcke abgeschirmte Orte mit Eimertoiletten.

Die Temperaturen lagen im Basecamp bei rund −10 °C, im Low Camp (2780 m) bei etwa −15 °C, im High Camp (3780 m) bei −20 °C und auf dem Gipfel bei rund −30 °C. Dank der ganztägigen Sonne und der extrem trockenen Luft sind diese Temperaturen gut erträglich – entscheidender ist jedoch der eisige Wind, der die gefühlte Temperatur massiv senken kann.

Da die Wetter- und Windaussichten für die kommenden Tage gut waren, schnürten wir – gestärkt vom Ruhetag – unser persönliches Gepäck sowie das Gemeinschaftsmaterial auf die Schlitten und machten uns auf den Weg zum Low Camp. Die 640 Höhenmeter mit Schlitten von 30–40 kg Gewicht waren sehr fordernd. Wir gingen langsam und benötigten fast acht Stunden.

Frank war leider immer noch angeschlagen, weshalb wir ab der Streckenmitte das Gewicht seines Schlittens aufteilten. Daniel übernahm spontan die grösste Last und zog zeitweise zwei Schlitten – eine unglaubliche Leistung.

Gegen 18.00 Uhr erreichten wir das Low Camp und begannen sofort mit dem Zeltaufbau. Niklaus grub im Küchenzelt erneut perfekte Sitzbänke, während Roland und ich Schnee zusammenschaufelten – allein das war schon anstrengend. Anschliessend verwöhnte uns Niklaus, wie bereits im Basecamp, mit ausgezeichnetem Essen: Spaghetti mit feiner Sauce.

Am nächsten Tag stand ein Ruhetag an. Vom Low Camp aus hatten wir eine gute Sicht auf den Weg bis zum Einstieg der Fixseile. Da mehrere Gruppen an diesem Tag ins High Camp aufstiegen, konnten wir die Route gut beobachten.

Leider hatte Frank erneut eine sehr schwierige Nacht. In Absprache mit Niklaus und ALE wurde entschieden, dass Niklaus mit Frank ins Basecamp absteigt und anschliessend mit einer anderen Person wieder ins Low Camp aufsteigt – ein Alleingang über den Gletscher ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Niklaus meisterte Ab- und Aufstieg in weniger als sechs Stunden und war gegen 16.00 Uhr zurück, sodass wir beschlossen, noch am selben Abend ins High Camp aufzusteigen.

Kurz vor 17.00 Uhr brachen wir auf. Nach rund 30 Minuten erreichten wir den Einstieg der Fixseile, anschliessend folgten etwa vier Stunden steiler Aufstieg mit der Steigklemme. Der Aufstieg war weniger anstrengend als befürchtet, ging aber dennoch ordentlich in Beine und Arme. Nach den Fixseilen warteten weitere 1,5 Stunden, bis wir gegen 22.30 Uhr das High Camp auf 3780 m erreichten.

Es war bitterkalt und windig. Mit unterkühlten Fingerspitzen mussten wir dennoch funktionieren: die im Vorjahr deponierten Zelte suchen, aufstellen, uns aufwärmen, etwas essen – und kurz nach Mitternacht schlafen gehen.

Den Gipfeltag starteten wir kurz nach 09.00 Uhr. Die kurze Nacht steckte uns in den Knochen, doch der wolkenlose Himmel und die Windstille motivierten enorm. Nahezu alle Expeditionen hatten diesen Tag gewählt – und das war goldrichtig.

Der Aufstieg über 1100 Höhenmeter zog sich gefühlt endlos, war technisch aber gut machbar. Die Route führte zunächst auf einen Sattel und dann steil von der Rückseite auf den Gipfelgrat. Dort zogen wir aufgrund der erwarteten Winde zusätzliche Kleidung und die Skibrille an. Über den zunächst etwas steileren, später flacheren Grat erreichten wir schliesslich den Gipfel auf 4892 m.

Was für ein Moment! Nach rund sechs Stunden auf dem Dach der Antarktis zu stehen, war überwältigend. Für mich war es der vierte Gipfel der Seven Summits, für Daniel sogar der letzte. Herzliche Gratulation! Natürlich durften die obligatorischen Gipfelfotos inklusive K&P-Flagge nicht fehlen.

Der Abstieg erfolgte auf derselben Route zurück ins High Camp, das wir gegen 19.00 Uhr erreichten. Insgesamt waren wir rund zehn Stunden unterwegs. Nach einer Portion Astronautennahrung freuten wir uns auf etwas mehr Schlaf.

Am letzten Expeditionstag stiegen wir kurz vor 10.00 Uhr vom High Camp ins Low Camp ab und bewältigten erneut die lange Fixseilstelle. Mit dem Unterarm als Bremse ging es gut, war aber sehr schweisstreibend – selbst meine Sonnenbrille beschlug und vereiste. Im Low Camp zogen wir trockene Kleidung an, packten das deponierte Material auf die Schlitten und stiegen zügig ins Basecamp ab.

Dort wurden wir kurz vor 15.00 Uhr bereits mit Bier und einer Flasche Champagner empfangen.

Wegen Nebels war zunächst unklar, ob die Twin Otter noch am selben Tag zum Union Glacier Camp fliegen konnte. Umso grösser war die Freude, als der Flug plötzlich bestätigt wurde. Wir bauten noch rasch das Küchenzelt ab, schaufelten das Sitzbankloch zu und verstauten alles in unseren Taschen.

Im Union Glacier Camp gab es reichlich Abendessen und viel Bier. Zwar war zunächst ein Rückflug nach Punta Arenas für den nächsten Tag geplant, doch aufgrund schlechten Wetters verzögerte sich dieser um einen Tag. So flogen Frank, Daniel, Roland und Niklaus am Dienstag, 16. Dezember, und damit zwei Tage früher als geplant, zurück nach Chile und weiter in die Schweiz.

Ich blieb im Union Glacier Camp zurück, da ich im Anschluss mit ALE die rund siebentägige „Last Degree“-Skitour mit Schlitten zum Südpol antreten werde. Nun heisst es warten auf die Ankunft meiner neuen Gruppe aus Punta Arenas am 18. Dezember – hoffentlich spielt das Flugwetter mit.