Lullaillaco & Ojos del Salado 31

Expedition Ama Dablam mit Lobuche Peak

Namaste - Wo der Glaube Berge versetzt

Bericht von Lothar, 25.11.2025

Unter der Leitung von K&P Bergführer Adrian Büschlen und einem auserlesenen Sherpa-Team erlebte ich während vier Wochen zusammen mit fünf Bergbegeisterten ein Nepal-Trekking von einmaligem Erinnerungswert. Die Besteigungen des Lobuche East (6119 m) und der Ama Dablam (6814 m) bildeten dabei die alpinistischen Höhepunkte.

Die Boeing 787-8 der Qatar Airways landete pünktlich in Kathmandu. Es war früher Vormittag und bereits wilder Betrieb in den Abfertigungshallen des Flughafens. Die Visa-Formalität brauchte seine Zeit. Endlich passierten wir die Exit-Passage und wurden von Subash, unserem ersten Kontaktmann empfangen. Es war Nachmonsunzeit und die Sonne brannte gnadenlos. Auf dem Parkareal gestikulierten Fussgänger, rasten und hupten Unmengen von Mopeds wie Autofahrer in geordnetem Chaos. Wir hantierten so schnell wie möglich unsere Expeditionstaschen in das abholende VAN-Mobil und tauchten ein in den lärmenden Verkehrsstrom Kathmandus.

Im Hotel Yak und Yeti angekommen, vervollständigte sich unsere illustre Reisegruppe mit folgenden Teilnehmer/Innen und Erwartungen an unser Abenteuer: Adrian (32) unser Bergführer von K&P war schon einmal in Nepal; gleich wie Marion und Klaus (beide 57), die das bevorstehende Trekking vor zwei Jahren bereits einmal unternahmen und dieses Mal unbedingt die Ama Dablam besteigen wollten. Auch Angela (46) wünschte sich die Ama Dablam-Besteigung; die Trekking- und somit die Akklimatisationstage waren ihr aber genauso wichtig. Oliver (56), der Strahlemann aus dem Lichtenstein, wollte endlich einmal Nepal besuchen und sich ein weiteres Abenteuer und Reiseziel auf seiner Bucket List erfüllen lassen. Und ich als ältester der Gruppe (63) reiste direkt aus Baffin Island, einer anderen entfernten Ecke der Welt an. Dieses anschliessende Berg-Abenteuer in Nepal ergab sich für mich aus besonderen Umständen, wobei ich vor allem das Trekking und nicht die Berggipfel im Fokus hatte.

In der pulsierenden Hauptstadt Kathmandu verblieben wir nur einen Tag und besuchten dort Swayambhunath, den Affentempel sowie Pashupathinath, die wichtige hinduistische Tempel-anlage sowie Verbrennungsstätte. Am Folgetag flogen wir mit dem Helikopter nordwärts in die Khumbu-Region des Himalaya und landeten sicher auf der berühmt-berüchtigten Landepiste von Lukla auf 2860 m. Von hier aus gab es nur noch Bergpfade, die durch enge Täler, Schluchten und nicht selten über stählerne Hängebrücken führten. Maultier- und Yak-Karawanen waren das einzige Transportmittel in dieser zerklüfteten Landschaft, ausser natürlich den Helikoptern und den zahlreichen Trägerinnen und Trägern, den wahren Heldinnen und Helden dieser autarken Bergwelt.

Die erste Etappenstrecke von Lukla nach Namche Bazar auf 3440 m hatte nichts Geruhsames. Ein lebhafter Touristenstrom, kunterbunt sowie jegliche Art und Kategorie von Fussvolk, das den Himalaya – sei es mit Pickel oder Spazierstock – erobern möchte. In Namche angekommen, bot dieser zentrale Ausgangspunkt mehr oder weniger alles Nötige und Unnötige, was des Bergsteigers und Trekkers Herz begehrt: Vom Sternehotel mit elektrischen Wärmedecken, einer Fondue- und Raclettestube bis hin zum soundigen, höchstgelegenen Irish Pub der Welt, das mit einem Augenzwinkern sogar Notfall-Schlafplätze anzubieten hätte.

Mingmar Sherpa und sein Assistent Rinji Phurwa Sherpa waren unsere lokalen Guides und führten uns Tag für Tag in langsamen Schritten in immer höhere Regionen. Sie wussten genau um die Wichtigkeit der optimalen Akklimatisation. Der Touristenstrom hatte inzwischen merklich abgenommen und das Wetter hätte seit Tagen nicht besser sein können. Mit der Besteigung des Gokyo Ri (5357 m) und dem Cho La Passübergang (5420 m) hatten wir wichtige Höhen geschnuppert; stets mit Postkarten-Panorama auf die Himalaya Bergriesen Everest, Lhotse, Cho Oyu und Makalu.

Nach zehn Tagen im Solukhumbu unterwegs, waren wir bereit für den ersten Expeditions-gipfel, den Lobuche East (6119 m). Wir übernachteten erstmals nicht in einer Lodge sondern in einem Zeltcamp auf 5300 Meter und starteten nachts um 02:30 Uhr mit Stirnlampe und Steigeisen. Oliver hatte von unserer Gruppe die meiste Power in den Beinen und erreichte mit seinem Sherpa als Erster den Gipfel. Weil sich das Warten auf die Restgruppe dahinzog, machten sie sich auf den Rückweg und aus diesem Grund fehlt ein strahlendes Gesicht auf dem Gipfel-Gruppenfoto!

Am Ende der zweiten Expeditionswoche steuerten wir das Ama Dablam Base Camp auf 4600 m an. Wir hatten nun acht Tage zur Verfügung, um das richtige Zeitfenster zu nutzen und die passende Besteigungstaktik zu bestimmen. Dabei zählt der 1:1-Support eines eigenen Sherpa-Guides am Berg zu den wichtigsten und wertvollsten K&P-Services. Die gesetzten Fixseile mögen eine gewisse Sicherheit garantieren und einige Schlüsselstellen erleichtern, doch die Ama Dablam bleibt technisch wie höhenalpinistisch eine Herausforderung. Jedem von uns stand zudem ein wohnliches Stehzelt zur Verfügung. Und auch das grosszügige Gemeinschaftszelt sowie die äusserst kreative Sherpa-Küche (inkl. Spirituosenbar) unter der Regie von Nimar Sherpa liessen keine Wünsche offen.

Nach einem Ruhetag zelebrierte am Montag in der dritten Expeditionswoche ein Mönch mit unserer Gruppe vor der strahlenden Ama Dablam eine sogenannte Puja; ein buddhistisches Verehrungsritual, bei dem Opfergaben dargeboten und Mantras um göttlichen Beistand erbeten wurden. Zum Segen und Schutz erhielte jeder vom Mönch ein gesegnetes oranges Band und einen weissen Schal, der Wertschätzung, Respekt und gute Wünsche symbolisiert.

Die Meteo-Prognose für die kommenden Tage kündigte reichlich Schneefall an. Somit war vorerst langwieriges Abwarten angesagt. Die Wetterumstände sowie die mich beängstigende Kolonne an Ama Dablam Aspiranten und ein in mir langsam einschleichender Lagerkoller bestärkten mich in meinem Vorsatz, die Ama Dablam (dieses Jahr) nicht zu besteigen. Mit Pasang Lama Sherpa machte ich mich am Donnerstag nach dem Frühstück auf, um in den kommenden Tagen nepalesische Bergdörfer und Klöster wie Tengboche, Khumjung oder Thame zu besuchen.

Derweil harrte die Gruppe im Ama Dablam Base Camp weiter aus. Erst für Ende beziehungsweise Beginn der vierten Expeditionswoche war Wetterbesserung angesagt. Nach reiflicher Überlegung entschieden Adrian, Marion und Klaus mit ihren Sherpas am Sonntag aufzubrechen und das Camp 1 auf 5800 m zu erreichen. Oliver und Angela wählten einen Tag später und somit am Montag den Aufbruch ins erste Lager.

Man kann einen Berggipfel auf unterschiedliche Art und Weise besteigen. An der Ama Dablam stehen drei Camps zur Verfügung, wobei das Lager 2 auf 5980 m wegen seiner exponierten Lage und äusserst beschränkten Fläche in der Regel mehr eine Notlösung darstellt. Die Gruppe um Adrian, Marion und Klaus kamen nur langsam voran, mussten oft Schlange stehen und übernachteten wohl oder übel zwei Mal in Lager 2. Mit eisernem Willen, letzter Kraft und einem unbändigen Glauben an sich, erreichten Marion und Klaus mit Bergführer Adrian und den Sherpas ihren Traumgipfel im Himalaya und nach vier Tagen endlich wieder das Base Camp.

Ganz anders war die Strategie von Olivier und Angela, die einen Tag später am Montag ins Camp 1 loszogen. Die Sonne brannte auf den frisch verschneiten Berghang. Oliver übernahm sich und kam völlig dehydriert an. Ein Blick hinauf auf die bevorstehenden tausend Höhenmeter und sein klarer Verstand entschieden in diesem Moment, dass er anderntags mit seinem Sherpa-Guide ins Base Camp absteigen wird. Sein Entscheid war so klar und scharf wie ein Schweizer Sackmesser. Er verschenkte all seine Expeditionsausrüstung und blickte nichtdestotrotz dankbar auf ein einmaliges Nepal-Trekking und eine wertvolle Lebens-erfahrung zurück. Angela schaffte es souverän am Folgetag mit ihrem Sherpa-Guide in einem Guss auf den Gipfel und sogar zurück bis ins Base Camp.

Eine letzte kalte Nacht stand der K&P-Gruppe im Ama Dablam Base Camp bevor. Abgesehen davon, dass sich Oliver seinen verschenkten Daunenschlafsack noch einmal zurückborgen musste, klappte alles mit dem Rückflug nach Kathmandu und wieder in die Schweiz.